CBD, CBG & Polypharmazie im Alter Arzneimittelsicherheit bei Senioren – sachlich erklärt
CBD, CBG & Polypharmazie im Alter
Arzneimittelsicherheit bei Senioren – sachlich erklärt
Immer mehr Seniorinnen und Senioren interessieren sich für standardisierte CBD- oder CBG-Extrakte zur unterstützenden Begleitung bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder entzündlichen Beschwerden. Gleichzeitig besteht Unsicherheit hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen mit bestehenden Medikamenten und der allgemeinen Arzneimittelsicherheit.

Dieser Artikel ordnet das Thema wissenschaftlich ein – ruhig, differenziert und ohne Dramatisierung. Ziel ist es, das reale Wechselwirkungspotenzial sachlich zu bewerten und unnötige Ängste abzubauen.
🟢 Auf einen Blick: CBD bei Polypharmazie
- Sublinguale Einnahme reduziert den First-Pass-Effekt der Leber
- Mindestens 2 Stunden Abstand zu anderen Medikamenten einhalten
- Bei Blutverdünnern: INR/Quick anfangs kontrollieren
- Konstante Einnahmebedingungen(besonders bei fettreicher Nahrung)
- Dokumentation erhöht die Arzneimittelsicherheit
1. Sicherheitsprofil von CBD: Was die WHO sagt
Das wichtigste internationale Bewertungsdokument ist der (WHO Cannabidiol Critical Review Report, 2018).
Dort kommt die Weltgesundheitsorganisation zu dem Schluss:
- kein Missbrauchspotenzial
- keine bekannte letale Überdosierung
- insgesamt gute Verträglichkeit
Bis heute sind keine dokumentierten Todesfälle durch isoliertes CBD beschrieben.
Im Vergleich dazu gehören unerwünschte Arzneimittelwirkungen klassischer Medikamente zu den häufigen Ursachen für Krankenhausaufnahmen im höheren Lebensalter. In der geriatrischen Pharmakologie gilt Polypharmazie als einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Komplikationen.
CBD besitzt somit eine hohe therapeutische Sicherheitsmarge – bei gleichzeitig biologischer Aktivität.
2. Leberstoffwechsel & First-Pass-Effekt
CBD wird über das Cytochrom-P450-System verstoffwechselt, insbesondere über CYP3A4 und CYP2C19.
Eine wissenschaftliche Einordnung findet sich in der Fachpublikation („Potential Adverse Drug Events and Drug-Drug Interactions“, PubMed ID: 31336540).
Wird CBD geschluckt, durchläuft es zunächst die Leber (First-Pass-Effekt). Dabei konkurriert es potenziell mit anderen Wirkstoffen um dieselben Enzymsysteme.
Für Senioren mit eingeschränkter Leberfunktion kann daher die sublinguale Einnahme (unter die Zunge) sinnvoller sein, da sie diesen ersten Durchgang teilweise umgeht.
Das reduziert das theoretische Wechselwirkungspotenzial und sorgt häufig für eine gleichmäßigere Bioverfügbarkeit.
3. Das Zwei-Stunden-Fenster
Eine bewährte Sicherheitsstrategie zur Optimierung der Arzneimittelsicherheit:
CBD oder CBG sollten möglichst mit mindestens 2 Stunden Abstand zu anderen Medikamenten eingenommen werden.
- Entlastung der CYP-Enzyme
- geringere Wirkstoffspitzen im Blut
- bessere Differenzierbarkeit möglicher Effekte
- strukturierte Integration in bestehende Medikation
Diese einfache Maßnahme reduziert das Wechselwirkungspotenzial deutlich und ist in der Praxis gut umsetzbar.
4. Albuminbindung & Blutverdünner
Medikamente wie Phenprocoumon (Marcumar) sind stark proteingebunden (Albuminbindung).
CBD kann theoretisch freie Wirkstoffanteile beeinflussen. In der klinischen Praxis bedeutet das:
Bei Beginn einer CBD-Begleittherapie sollte der INR-Wert zunächst engmaschiger kontrolliert werden.
Monitoring macht Integration möglich. Eine pauschale Kontraindikation besteht nicht – entscheidend ist die strukturierte Begleitung.
5. Bioverfügbarkeit & Fett
CBD ist lipophil (fettlöslich).
Eine fettreiche Mahlzeit kann die Aufnahme um das Drei- bis Fünffache steigern. Das ist pharmakologisch relevant, da schwankende Aufnahmebedingungen stärker auf das Wechselwirkungspotenzial wirken können als die absolute Dosis.
Für Senioren gilt daher:
Konstanz ist wichtiger als Menge.
Gleichbleibende Einnahmebedingungen erhöhen die therapeutische Berechenbarkeit.
6. Sturzprophylaxe
CBD wirkt nicht klassisch sedierend wie Benzodiazepine, kann jedoch entspannend auf das zentrale Nervensystem wirken.
In Kombination mit starken Schlafmitteln oder sedierenden Medikamenten kann eine additive Wirkung auftreten.
Daher sinnvoll:
- besonders niedrige Anfangsdosis
- langsame Eindosierung („Start low, go slow“)
- vorsichtige Beobachtung nächtlicher Mobilität
Dies dient der Sturzprophylaxe und gehört zu einer verantwortungsvollen Integration.
7. CBG vs. CBD – eine pharmakologische Differenzierung
CBG (Cannabigerol) wird aktuell intensiv erforscht.
Studien deuten darauf hin, dass CBG möglicherweise geringere Effekte auf bestimmte CYP-Enzyme zeigt als CBD – entsprechend der pharmakologischen Einordnung in (Frontiers in Pharmacology, 2021).
Für Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter Polypharmazie kann ein stärker CBG-fokussierter Extrakt daher eine Option mit potenziell geringerem Wechselwirkungspotenzial darstellen.
Die Forschung hierzu entwickelt sich dynamisch, und die Datenlage wird kontinuierlich erweitert.
8. Endocannabinoid-System & historische Einordnung
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Regulationssystem, das zahlreiche physiologische Prozesse beeinflusst.
Während Cannabis in Teilen Asiens – etwa in der traditionellen chinesischen Medizin oder im Ayurveda – historisch medizinisch genutzt wurde und Bestandteil medizinischer Lehrtraditionen war, war es in Europa über Jahrzehnte regulatorisch eingeschränkt.
Daher ist die systematische Integration des ECS in europäische Ausbildungsstrukturen vergleichsweise jung. In den letzten Jahren gewinnt das Thema jedoch zunehmend akademische und klinische Relevanz.
9. Dokumentation erhöht Sicherheit
Bei Polypharmazie empfiehlt sich ein einfaches Einnahmetagebuch:
- Dosis
- Uhrzeit
- Einnahmeform
- Befinden
Dies verbessert die Beurteilbarkeit, erleichtert ärztliche Rücksprachen und erhöht die Arzneimittelsicherheit erheblich.
Persönliche Unterstützung gesucht?
Da Dosierung, Einnahmeform und Dokumentation bei Polypharmazie entscheidend sind, bieten wir in Kooperation mit der Cannabis Patientenhilfe e.V. eine kostenlose Videoberatung an:
Weiterführender Leitfaden
Mehr Grundlagenwissen zu Cannabinoiden und standardisierten Extrakten finden Sie hier:
https://www.weedseeds4u.info/cannabinoide-leitfaden/
FAQ – Häufige Fragen zur Sicherheit
Darf ich CBD mit Blutverdünnern einnehmen?
Ja, jedoch sollte zu Beginn der Einnahme der INR-Wert kontrolliert werden.
Ist CBG sicherer als CBD?
CBG zeigt vermutlich geringere Effekte auf Leberenzyme. Die Datenlage ist jedoch noch jünger als bei CBD.
Kann CBD eine Überdosis verursachen?
Eine letale Überdosierung von isoliertem CBD ist laut WHO bislang nicht dokumentiert.
Autorenhinweis
Geprüft und erstellt in Zusammenarbeit mit der Cannabis Patientenhilfe e.V.
Erfahrungsbasierte Einordnung unter Berücksichtigung aktueller pharmakologischer Literatur und aktueller Erkenntnisse zur Arzneimittelsicherheit im höheren Lebensalter.
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